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letzter PSA vom

Erfahrungsberichte

       
01.01.2021 - -
Vorbemerkung: Ich beginne meinen Bericht während der HDR-Brachytherapie im April 2026 zu schreiben, also zunächst als Rückschau auf die ersten ca. 4 Jahre. Danach soll es dann "live" weitergehen.
       
01.02.2021 - -
2020/21 hatte ich das Gefühl, dass das Wasserlassen zunehmend länger dauert. Ich beschloss, zu einem Urologen zu gehen. Da sich gleichzeitig auch ein Jobwechsel ankündigte und ich die Untersuchung und Behandlung möglichst vorher hinter mich bringen wollte, suchte ich mir via Doctolib einen Urologen mit möglichst frühen offenen Terminen. Meine Wahl fiel auf eine Praxis, zu der ich zwar quer durch die Stadt (Bonn) fahren musste, aber das nahm ich in Kauf, da ich davon ausging, dass es bald erledigt sein würde. :-)
       
01.03.2021 - -
Der Urologe führte die üblichen Untersuchungen durch. Meine Prostata erwies sich mit 67 ml schon als ziemlich groß und er bestätigte eine gutartige Vergrößerung. Er bot an, auch eine Früherkennung auf Prostatakrebs zu machen und erklärte die notwendigen Untersuchungen. Ich war einverstanden, auch wenn ich die Ermittlung des Krebsmarkers selbst bezahlen musste. Die „digitale“ Tastuntersuchung ergab keinen Befund. Eine Blutprobe wurde genommen und ich war natürlich gespannt auf das Ergebnis.
       
04.03.2021 7.30 04.03.21
Mein erster „PSA"-Wert lag direkt mal deutlich über dem Grenzwert von 4 ng/ml. Das war natürlich nicht so erfreulich. Der Urologe beruhigte mich aber und sagte, das könne auch andere Ursachen haben als Prostatakrebs.
       
07.04.2021 13.40 07.04.21
Einen Monat später die nächste Blutabnahme – und der Wert war fast doppelt so hoch wie bei der ersten Probe! Ich war ziemlich geschockt. Der Urologe blieb ruhig, fragte nach Symptomen und wir vereinbarten erstmal einen weiteren Termin etwa 3 Wochen später. Er gab mir auch Hinweise, vor einer solchen Probe auf Dinge wie Radfahren, Reiten und Orgasmen zu verzichten. Reiten spielte bei mir keine Rolle. :-)
       
30.04.2021 7.10 30.04.21
Der nächste PSA-Wert lag nun nicht mehr so erschreckend hoch, sogar etwas tiefer als der erste Wert. Ich war erstmal erleichtert. Dennoch legte der Urologe mir angesichts des dauerhaft erhöhten Wertes nun nahe, über kurz oder lang eine Fusionsbiopsie zu machen. Ich zögerte, ich hatte ja außer dem Wasserlassen sonst keine Beschwerden.

Außer dem eigentlichen PSA-Wert hatten wir auch noch weitere Nebenwerte, wie „freies PSA“ und „PSA-Dichte“ bestimmt, und diese zeigten eine indifferente Tendenz zwischen „Krebs“ und „andere Ursachen“.

Die gutartige Vergrößerung, wegen der ich ursprünglich mal zum Arzt gegangen war, trat allmählich in den Hintergrund. Der Urologe hatte mir Tamsulosin verschrieben und das wirkte ja auch. Die Nebenwirkung der retrograden Ejakulation verdarb mir allerdings oft meine Orgasmen und ich begann, mit der Dosis bzw. Einnahmefrequenz zu experimentieren, um einen guten Kompromiss zu finden. Das Tamsulosin bekämpft ja nur das Symptom und ändert am Wachstum des Organs gar nichts, also vergab ich mir mit den Experimenten nichts.
       
21.10.2021 7.60 21.10.21
In der zweiten Jahreshälfte, nach weiteren PSA-Proben, vereinbarte ich eine Fusionsbiopsie in der Helios-Klinik Bonn, die der Urologe mir empfohlen hatte. Kein Wunder, sie liegt ja auch in der Nähe seiner Praxis. Trotz der dauerhaft erhöhten Werte war ich noch optimistisch, keinen Krebs zu haben.
       
13.12.2021 8.60 13.12.21
Im Dezember 2021 legte ich mich – zum erstenmal im Leben – in eine MRT-Röhre. Es war natürlich eine Herausforderung, eine halbe Stunde komplett still zu liegen, aber ansonsten habe ich es problemlos überstanden, insbesondere machte mir die Enge nicht zu schaffen.

Nach dem mpMRT musste ich noch bestimmt eine Stunde in der Klinik warten, erhielt aber dann auch sofort das Ergebnis mitgeteilt: Es gab tatsächlich ein suspektes Areal in meiner Prostata. PIRADS 4. Ich war einigermaßen konsterniert, mein Optimismus begann zu schwinden…

(Im Nachhinein finde ich es übrigens einen guten Service der Helios-Klinik, das MRT-Ergebnis direkt im Anschluss mitzuteilen. In meinen weiteren Kliniken war das nicht so. Da fuhr ich jeweils nach Hause und hatte erstmal tagelang Zeit, mich gründlich verrückt zu machen, bis dann der Bescheid mit dem Ergebnis kam. :-( )
       
14.12.2021 8.60 13.12.21
Ich hatte eine CD mit den MRT-Bildern mit nach Hause genommen und vertiefte mich eingehend in die Bilder. Anfangs wurde mir leicht übel, mein eigenes wabbeliges „Gekröse“ näher anzusehen, aber daran gewöhnte ich mich schnell. Die wenigen Knochen, die zu sehen waren, fand ich hingegen regelrecht schön, vor allem die glatten runden Oberschenkel-Gelenkköpfe. :-)

Ich recherchierte im Internet, wie man solche Bilder interpretiert. Im Bericht der Helios-Radiologie war erwähnt, welches Bild in welcher Serie das verdächtigte Areal am besten zeigte, und von da ausgehend arbeitete ich mich auch durch die anderen Serien. Bewundernswert, wie Spezialisten aus diesen wolkig-grauen Bildern detaillierte Diagnosen ableiten können.
       
30.12.2021 8.60 13.12.21
„Zwischen den Jahren“ 2021/22 trat ich dann in der Helios-Klinik an zur Prostatabiopsie. Zur lokalen Betäubung hatte ich mich für eine Spinalanästhesie entschieden, bei der mit einer Injektion ins Rückenmark das Nervensystem der Beine und des Unterleibs komplett blockiert wird. Die funktionierte auch gut, von den meisten Probennahmen spürte ich nur einen Ruck. Erst bei den letzten Proben kamen leichte, stechende Schmerzen durch.
Wegen der Spinalanästhesie kam ich kurz auf die Intensivstation und das war auch gut so, denn mir sackte aufgrund der lahmgelegten Beinmuskulatur alsbald der Kreislauf weg und ich war kurz davor, ohnmächtig zu werden. Die Pfleger/innen reagierten aber schnell, lagerten meine Beine hoch und mein Kreislauf normalisierte sich wieder.
Zurück im Krankenzimmer konnte ich dann für ein paar Stunden die Erfahrung „genießen“, wie es ist, querschnittsgelähmt zu sein. Es war schon echt unheimlich, ein Bein bewegen zu wollen und im ersten Moment auch *sehen* zu meinen, dass es sich bewegt, nur um dann zu bemerken, dass es immer noch still da liegt. Auch die Erfahrung, sich ans eigene Bein zu fassen und das Gefühl zu haben, die etwas kühle Haut eines *fremden Menschen* zu berühren, war unheimlich. Ich war sehr froh, als nach einigen Stunden langsam das Gefühl in Beinen und Unterleib zurückkehrte und ich mich allmählich auch wieder bewegen konnte.
Sehr unangenehm war noch der Blasenkatheter, der mir gelegt worden war und erst einige Stunden nach der OP aus meinem Penis gezogen wurde. Bei diesem Ziehen hatte ich stechende Schmerzen in der Harnröhre, sowie noch tagelang während des Urinierens. Trotzdem ist der Blasenkatheter bei solchen Eingriffen wohl unvermeidlich, da er einen Harnverhalt zuverlässig verhindert – der noch deutlich schmerzhafter wäre...
Eine weitere unangenehme Erfahrung war ein enormer „Stuhldrang“ (immerhin kein Schmerz). Als ich wieder laufen konnte, setzte ich mich zweimal auf die Toilette und presste aus Leibeskräften, ohne dass etwas kam. Wie auch, ich war ja nüchtern zur OP angetreten, aber das Gefühl, dass da etwas sein *musste*, war einfach zu stark.
Dieses Gefühl wurde mir mit der durch die Biopsie nun mal leicht verletzten Prostata erklärt, die nun anschwoll und auf den Enddarm drückte. Jahre später habe ich noch eine weitere Erklärung gehört, die mir inzwischen wahrscheinlicher erscheint: Die Biopsie selbst wurde zwar perineal durchgeführt, aber in den Enddarm wird ja zusätzlich noch ein Ultraschallkopf eingeführt, mit dem die Probenentnahme kontrolliert wird. Und dieser Kopf ist es, der den Enddarm irritiert. Ich hatte bei späteren Gelegenheiten nicht nochmal einen so starken „Stuhldrang“ wie damals in der Helios-Klinik und spekuliere inzwischen, dass dort vielleicht ein besonders großer Ultraschallkopf eingesetzt wurde??
       
03.01.2022 8.60 13.12.21
In den ersten Januartagen hatte ich dann den Termin bei meinem Urologen, der mir die Diagnose der Biopsie verkündete. Tja, um es kurz zu machen: Ich hatte tatsächlich Krebs! Zwar nicht viel, aber er war immerhin da. Obwohl ich inzwischen so 50:50 mit dieser Möglichkeit gerechnet hatte, war es dann doch ein Schock :-( . Der Urologe bot an, sofort einen Termin zur Radikal-OP in der Helios-Klinik zu vereinbaren, was ich aber ausschlug. Ich wollte mir das erstmal genauer überlegen und fuhr wie betäubt nach Hause.
       
04.01.2022 8.60 13.12.21
Wie zuvor den MRT-Bericht studierte ich nun den pathologischen Bericht sehr genau. Es waren 4 von 16 Proben mit bösartigem Material befallen. Drei Proben hatten den Gleason-Grad 3+3. Eine Probe hatte den Gleason-Grad 3+4 und lag auch tatsächlich in der Nähe der mit dem MRT entdeckten „Läsion“. (Von dieser Stelle waren auch mehrere Proben genommen worden.) Lymphknoten und andere Weichteile waren unauffällig. Damit hatte ich nun den Tumorstatus „cT1c N0 M0“ mit dem Gleason-Grad „7a“, also „mittleres Risiko“ für weitere Ausbreitung im Körper.

In den ersten Tagen nach der Diagnose war ich sehr verunsichert, was ich nun tun sollte. Operation oder Bestrahlung?? Ich las im Internet alles, was ich zu diesen Alternativen finden konnte – und beide gefielen mir nicht. Eine wichtige Eigenschaft des Prostatakrebses an sich ist, dass er bei der Mehrheit der Patienten nicht schnell wächst. In meinem Fall schien mir das gegeben zu sein: Der PSA-Wert war in dem knappen Jahr nur mäßig gestiegen (relativ hohe Verdopplungszeit), die PSA-Dichte von 0,12 sprach noch nichtmal eindeutig für Krebs und die MRT-“Läsion“ war mit 9 mm noch relativ klein. Ich beruhigte mich allmählich und kam zu der Erkenntnis: Ich hatte noch Zeit. Ich brauchte nichts zu überstürzen.
       
01.02.2022 8.60 13.12.21
In den nächsten Wochen und Monaten hatte ich keine anderen Hobbies mehr, als mich mit Prostatakrebs zu beschäftigen :-) . Ich stieß auf die Möglichkeit der „Active Surveillance“ bzw. aktiven Überwachung, was mir eigentlich recht einleuchtend und sympathisch vorkam: Einfach so weiterleben wie bisher und das Tumorwachstum mit PSA-Proben alle 3 Monate im Auge behalten.

Ich hatte mehrere Termine mit leitenden Ärzten von Bonner Krankenhäusern zur Einholung von Zweitmeinungen. Außerdem hatte ich auch eine Videokonferenz mit einem Arzt vom Prostatakrebszentrum in Gronau, wo ich – falls überhaupt – eine Radikal-OP nach dem DaVinci-Verfahren hätte machen lassen wollen. Alle Ärzte rieten mir angesichts des mittleren Risikos und meines noch relativ jungen Alters übereinstimmend von der aktiven Überwachung ab und empfahlen eine „kurative Behandlung“, also Radikal-OP oder wenigstens Strahlentherapie. Klar, das steht ja auch so in der S3-Leitlinie zum Prostatakrebs. Immerhin bestätigte mir ein Arzt, dass meine Entscheidung keine Eile hätte, zumindest „in den nächsten 6 Monaten tut sich da nichts“ bezüglich des Fortschreitens des Tumors. Ein weiterer Arzt bestätigte mir, mich „exzellent“ vorbereitet zu haben. :-)
       
15.02.2022 8.60 13.12.21
Je mehr ich über die Radikal-OP las, desto weniger gefiel sie mir. Die möglichen Nebenwirkungen schienen relativ dramatisch und auch bei noch so guter Ausführung gar nicht so unwahrscheinlich zu sein. Noch dazu muss man(n) dann für den Rest seines Lebens auf die sinnliche Erfahrung der Ejakulation verzichten – die für mich aber einen nicht unwesentlichen Bestandteil des Orgasmus beim Masturbieren ausmacht. ;-)

Aber auch die diversen Strahlentherapien gefielen mir nicht. Auch hier gab es fiese Nebenwirkungen. Die Prostata wäre zwar anschließend noch vorhanden und funktionstüchtig, aber wahrscheinlich nur noch sehr eingeschränkt. Dafür gab es das Risiko zu Spätschäden, also Sekundärtumoren gerade erst durch die Bestrahlung?!

Ich suchte nach Alternativen. Am sympathischsten erschien mir die „HIFU“ (hochintensiver Ultraschall): Gute Wirksamkeit, fokale Behandlung nur der Läsion(en) möglich, geringe Nebenwirkungen, keine Spätschäden.

Auf der Suche nach Beurteilungen von Therapien und Patientenerfahrungen stieß ich auf die Webseite my-prostate.eu, die einen reichen Daten- und Berichteschatz zur Verfügung stellte. Ich erstellte mir eine Tabelle, in der ich die Patientenbeurteilungen mehrerer Therapien eintragen und nicht nur die absoluten Zahlen, sonderen auch die Prozentanteile vergleichen konnte – das konnte die myprostate-Webseite selbst nämlich nicht. Der einzige Nachteil war, dass es für die HIFU-Therapie nur ca. 20 Einträge gab, was statistisch eine geringere Aussagekraft bedeutete, verglichen mit den Hunderten von Einträgen zu Radikal-OP und Strahlentherapie!
       
01.03.2022 6.80 01.03.22
Der erste PSA-Wert nach der Biopsie war der niedrigste, den ich bis dahin je gehabt hatte! Das war doch schonmal sehr erfreulich. Sollten etwa die Biopsieproben schon einen Teil des Tumors quasi „ausgestanzt“ haben? (Kleiner Scherz, nicht ernst gemeint. :-)) )

Da es nun doch eine längere Geschichte werden würde, suchte ich mir zwei Urologiepraxen in meiner Nähe und vereinbarte dort parallel zwei PSA-Blutproben in kurzem Abstand.
       
13.04.2022 8.70 13.04.22
Diese nächsten PSA-Werte, 8,7 und 9,0 ng/ml, deuteten nun doch wieder eine steigende Tendenz an. Es war aber kein dramatischer Anstieg und bestärkte mich darin, zunächst mal mit der aktiven Überwachung weiterzumachen. Zur weiteren Betreuung entschied ich mich für den älteren der beiden Urologen, der meine Entscheidung tolerierte, während der andere meinte, es nicht mit seiner Verantwortung vereinbaren zu können, eine nicht-kurative Behandlung zu betreuen. Letztlich war er also nicht gewillt, mich als „mündigen Patienten“ zu akzeptieren.

Auf der Internetsuche nach Tipps, wie man die eh schon langsame Ausbreitung von Prostatakrebs noch weiter bremsen kann, stieß ich auf ASS und Granatapfelsaft. ASS nahm ich eh schon seit Langem als allgemeine Prophylaxe gegen Entzündungen und Darmkrebs, und erhöhte jetzt nur noch die Dosis von 50 auf 100 mg täglich. Granatapfelsaft musste ich erstmal suchen und fand schließlich „Rauch Granatapfelsaft“, der mir auch ganz gut schmeckte. Nur war die Beschaffung nicht immer leicht. Inzwischen beziehe ich den Saft im Abo von Amazon und trinke davon 200 ml täglich, über den Tag verteilt. :-)
       
27.09.2022 10.90 27.09.22
Zum erstenmal ein PSA-Wert über 10 ng/ml! Damit lag ich nun in einer Zone, in der manche kurativen Therapien nicht mehr empfohlen werden, darunter auch die von mir favorisierte HIFU.
       
28.11.2022 8.60 28.11.22
Wieder etwas zurück gegangen.
       
17.01.2023 8.60 28.11.22
Ein Jahr herum seit der Erstbiopsie! Somit wurde es nun wieder Zeit für eine weitere Fusionsbiopsie. Ich legte mich wieder in`s MRT der Helios-Klinik und wartete anschließend wieder nervös und gespannt. Würde der Tumor gewachsen sein oder nicht??
Wie bei Helios üblich, gab es das Ergebnis noch bei demselben Termin: Weiterhin PIRADS 4, größte Läsionsausdehnung weiterhin 9 mm! Also keine Veränderung in einem Jahr!

Zu Hause verglich ich die mpMRT-Bilder von diesem und letztem Jahr: Tatsächlich waren die Bilder des Tumors praktisch deckungsgleich. Die Größe der Prostata selbst lag ebenfalls ziemlich unverändert bei 67 ml.

Noch eine erfreuliche Entwicklung: Dünnere Fettschichten! Ich hatte inzwischen eine Art leichten Intervallfastens angefangen und auch das Radfahren wiederentdeckt (bzw. E-Bike). :-)
       
26.01.2023 8.80 26.01.23
Meine eigentliche Biopsie musste leider aufgrund eines während des Eingriffs auftretenden Herzrasens abgebrochen werden. Mein Urologe meinte dazu nur, die Aussagekraft des MRTs allein reiche auch schon aus, wir könnten die Biopsie für dieses Jahr auch ausfallen lassen.
       
03.03.2023 11.70 03.03.23
Erneut ein zweistelliger PSA-Wert.

Zwischenzeitlich hatte ich auch mal versucht, mich mit dem Gedanken an eine Strahlentherapie anzufreunden. Danach befragt, meinte der Urologe, auch mit einer Strahlentherapie könne man heutzutage gute Ergebnisse erzielen. Eine bemerkenswert tolerante Einstellung für einen Urologen, die von der Ausbildung her ja eher Chirurgen sind und demzufolge eher zur Radikal-OP neigen. (Habe ich jedenfalls so gelesen. :-) )
       
05.05.2023 7.50 05.05.23
Die nächsten beiden Werte lagen wieder deutlich unter 10.
       
27.10.2023 8.90 27.10.23
Mein alter Urologe war inzwischen in Rente gegangen. Die Praxis war von einem jungen Arzt übernommen worden. Dies war nun meine erste PSA-Probe in der neuen alten Praxis. Bei der Besprechung erklärte mir der neue Urologe, dass er zuvor an der Uniklink Bonn in der Urologie gearbeitet hatte und von daher mehr Erfahrung mit der Radikal-OP hat. Von meinem Sonderweg der aktiven Überwachung auch mit einem Tumor mittleren Risikos, gegen die Leitlinie, hielt er nicht so viel, war aber bereit, mich weiter zu betreuen.
       
05.05.2024 10.20 21.02.24
Inzwischen etabliert sich der PSA dauerhaft über 10 ml/ng. Der neue Urologe wies bei jeder Nachbesprechung darauf hin, dass "die Indikation zur kurativen Behandlung steht", betonte aber auch jedesmal, dass die Entscheidung letztlich bei mir liegt.
       
11.11.2024 11.70 28.10.24
2024 hatte ich außer den PSA-Proben keine weiteren Prostata-Untersuchungen machen lassen, da dieses Jahr im Zeichen anderer Gesundheitsprobleme gestanden hatte. Nun wurde es mal wieder Zeit für eine vollständige Fusionsbiopsie. Nachdem der Biopsieversuch 2023 in der Helios kläglich gescheitert war, wollte ich sie diesmal in der Uniklinik Bonn durchführen lassen.

Der mpMRT-Termin Mitte November verlief ähnlich wie in der Helios, allerdings gab es diesmal kein sofortiges Ergebnis und es gab auch keine CD mit nach Hause, sondern ein sogenanntes Web-Ticket. Um deren Befundsoftware zu nutzen, musste ich mich jedesmal im Portal einloggen, statt sie einfach von der CD starten zu können. Noch dazu gilt so ein Ticket immer nur ein paar Monate und muss dann ggfs. neu beantragt werden. Sehr umständlich.
       
16.01.2025 10.10 14.01.25
Meine zweite Prostatabiopsie, an der Uniklinik Bonn, verlief deutlich unkomplizierter als in der Heliosklinik. Diesmal hatte ich mich für eine normale lokale Betäubung des Unterleibs entschieden. Die Probenentnahme war damit zwar deutlich schmerzhafter als 2022 mit der Spinalanästhesie. Während ich aber damals in der Klinik ambulant übernachten musste, konnte ich diesmal noch am selben Tag nach Hause fahren (mit dem Bus). Und weder die Harnröhre noch der Enddarm bereiteten mir diesmal Probleme! :-)
       
31.01.2025 10.10 14.01.25
Nach an die zwei Wochen kam das pathologische Gutachten der Biopsie: 3 von 16 Proben waren mit bösartigem Material befallen. Zwei Proben hatten den Gleason-Grad 3+3. Eine Probe hatte den Gleason-Grad 4+3 (60% Gleason 4), für die auch „kribiformes Wachstum“ und „perineureale Ausbreitung“ festgestellt wurden.

Zwar gab es diesmal weniger befallene Proben als 2022. Dafür wurde aber ein „Upgrade“ der Bösartigkeit festgestellt. Wurde mein Tumor bisher als „3+4=7a“ bzw. „ISUP 2“ eingestuft, galt er nun als „4+3=7b“ bzw. „ISUP 3“.

Meine Hoffnung war gewesen, dass mein Krebs seit 2022 in Volumen *und* Aggressivität keinen weiteren Fortschritt würde und ich mich noch einige Jahre mit der aktiven Überwachung würde durchmogeln können. Diese Hoffnung war nun zunichte. :-(
       
15.02.2025 10.10 14.01.25
Nach der leichten Verschlechterung des Tumorstatus´, und natürlich auch auf das sanfte Drängen des neuen Urologen hin, begann ich mich nun ernsthaft mit Therapien zu beschäftigen. Ich grub wieder meine Tabelle mit den Patientenbeurteilungen auf myprostate.eu aus und aktualisierte sie gründlich. Gerade bei der HIFU ergab sich nun ein deutlich schlechteres Ranking als 2022. Zum Teil weil ich damals einen Fehler bei meiner prozentualen Auswertung gemacht hatte, aber auch, weil es inzwischen einige neue, schlechtere Beurteilungen auf der Webseite gab. Irgendwann in 2024 hatte ich auch mal bei einer Klinik in Köln angerufen und nach HIFU gefragt, und als man mir dann eröffnete, dass man das inzwischen nicht mehr anbietet, sprach das ja auch für sich. Außerdem war meine Prostata für HIFU inzwischen eh zu groß.

Ich informierte mich nun näher über externe Bestrahlung (IMRT) und versuchte, mich damit anzufreunden. Als Alternative zog ich eine interne Bestrahlung, also eine Brachytherapie, in Betracht. In einer zweiten Entscheidungstabelle erfasste ich die mir wichtigen Risiken der diversen Therapien, einschließlich der aktiven Überwachung und der Radikal-OP, und vergab Gewichtungen und Punktezahlen nach verschiedenen Online-Recherchen. Das Ergebnis war ein Ranking, das eindeutig für die LDR-Brachytherapie sprach!

Ich machte mehrere Termine mit Kliniken in Bonn und Köln, um mich beraten zu lassen. Ich sendete vorab meine MRT- und Pathologie-Gutachten und bereitete einen Zettel mit Fragen vor, die ich allen Ärzten stellen wollte. Unter anderem ging es mir auch um die Auswirkung der Bestrahlung auf meine *gutartige* Prostata-Vergrößerung. In den letzten drei Jahren hatte sich die Symptomatik zwar nur sehr wenig verschlechtert, aber ich würde mit etwas Glück ja auch noch 20 bis 30 Jahre leben – und wie groß wollte meine Prostata in der Zeit denn noch werden?? :-(
       
07.04.2025 10.10 14.01.25
In der Uniklinik Bonn stellte mir ein junger Arzt die IMRT-Therapie vor und empfahl zusätzlich noch eine Hormontherapie. Brachytherapie wird an der UKB nicht angeboten.

Beim MVZ für Strahlentherapie in Köln sprach ich mit Dr. Spira. Auch er riet zur externen Bestrahlung inklusive Hormonbehandlung. Obwohl das MVZ auch Brachytherapie anbietet, empfahl er sie für meinen Fall nicht.

In der WEGE-Klinik (ex Robert-Janker-Klinik) hatte ich einen Termin mit Prof. Dr. Pinkawa. Er ordnete meinen Tumor als „günstiges mittleres Risiko“ ein, trotz der einen „4+3“-Probe könne man meinen Krebs in der Gesamtsumme noch als „3+4“ bezeichnen. Es wurde offenbar, dass er sich mit meinen Unterlagen eingehender beschäftigt hatte als die anderen Ärzte. Er empfahl als erste Wahl zwar ebenfalls die externe Bestrahlung mit einer Brachytherapie als „Boost“. Aber angesichts der bisherigen günstigen Entwicklung käme auch eine alleinige Brachytherapie in Frage. Für LDR wäre meine Prostata zwar zu groß, aber man könnte sie mit einer vorgeschalteten Embolisation verkleinern. Für eine HDR-Therapie bräuchte man keine vorgeschaltete Embolisation, sollte sie wegen der Größe des Organs aber auf drei „Fraktionen“ verteilen, um die Nebenwirkungen, insbesondere das Harnverhalt-Risiko, zu senken.

Übereinstimmend sagten alle drei Ärzte, dass eine Strahlentherapie auch gleichzeitig das weitere Wachstum der Prostata bremsen würde. Das überzeugte mich endgültig davon, auf eine Radikal-OP zu verzichten.
       
23.04.2025 11.60 23.04.25
Bei dieser PSA-Besprechung erzählte ich meinem Urologen von meinen Besuchen und sagte, dass ich die Radikal-OP als Option endgültig ausschließe und die Brachytherapie favorisiere.
       
12.07.2025 7.80 12.07.25
Ein sensationell niedriger PSA-Wert, fast wieder so niedrig wie vor 4 Jahren! Konnte das sein? Mein Urologe zuckte die Schultern und meinte, auch ein solcher Abfall könne schonmal vorkommen, je nach Entzündungsstatus. Ich tat mich zwar schwer, diesen Wert ernst zu nehmen, aber andererseits schenkte er mir ein beruhigendes Gefühl und ich fühlte mich nicht gerade gedrängt, eine Entscheidung zu treffen. :-)
       
06.11.2025 12.30 06.11.25
Und 3 Monate später nun der zweithöchste jemals gemessene Wert. Dann war der Wert von 7,8 wohl wirklich ein Messfehler gewesen. Mein Urologe fragte, ob ich mich entschieden hätte und als ich nein sagte, was denn mein Kriterium wäre, um eine Entscheidung zu treffen.

Er erinnerte mich auch an das Risiko für Mikrometastasen, das bei Prostatakrebs mittleren Risikos ja schon deutlich erhöht ist. Das hatte ich bei meinen früheren Recherchen auch mal gelesen, aber inzwischen verdrängt, und gab mir nun zu denken….
       
13.03.2026 11.40 26.02.26
Ich hatte einen zweiten Termin an der WEGE-Klinik mit Dr. Pinkawa. Ich fragte ihn gezielt nach der Möglichkeit einer *fokalen* HDR-Brachytherapie, bei der man zunächst nur den einen bösartigsten „4+3“-Herd zerstört, um die verbleibenden „3+3“-Herde weiterhin aktiv mit regelmäßigen PSA-Proben zu überwachen. Das wäre dann zwar keine kurative Behandlung, mit einem gewissen Restrisiko, aber wäre auch die geringstmögliche Beeinträchtigung meiner Prostata. Bei weiterem Fortschritt könnte man die Brachytherapie ja auch nochmals fokal durchführen?

Zu meiner Erleichterung ging er darauf ein und meinte, ja, das könnte man so machen, wenn ich das wünsche. In Anbetracht meiner Daten könnte er das auch verantworten. Ich bekam nun selbst Angst vor meiner eigenen Courage :-) aber nach kurzer Überlegung entschied ich mich dann dafür, es so zu machen. :-)
       
30.03.2026 11.40 26.02.26
Neue mpMRT-Begutachtung meiner Prostata in der WEGE-Klinik: Die bösartigste Stelle ist weiterhin nicht gewachsen, immer noch 9 mm groß. Und das Prostatavolumen wird nun mit 80 ml eingeschätzt, also deutlich weniger als beim MRT der Uniklinik. :-)
       
27.04.2026 11.40 26.02.26
Fortsetzung folgt...
       

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